Vortrag von Dr. Ursula von Keitz: „Zwischen Dramatisierung und Episierung: NS-Täterbilder im Spielfilm der 1950er bis 1970er Jahre“, 30. Mai 2006


Dr. Ursula von Keitz, Seminar für Filmwissenschaft/Universität Zürich, hielt im Mai einen Vortrag zu NS-Täterbildern im Spielfilm nach 1945. Der Vortrag fand im Rahmen der Übung „Diktatur im Film“ statt, die Katrin Hammerstein M.A. während des Sommersemesters 2006 am Historischen Seminar abgehalten hat.

Von Keitz gab einen spannenden Überblick über ost- und westdeutsche Produktionen der Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre und illustrierte diesen mit zahlreichen Filmbeispielen. Diese reichten von Staudtes „Die Mörder sind unter uns“ (1946) über „Der Rat der Götter“ (DDR 1950), der die Verstrickung des IGFarben- Konzerns in das NS-Regime und damit die Verknüpfung von Kapitalismus und Faschismus thematisiert, bis zu „Aus einem deutschen Leben“ (BRD 1977), der die Biographie des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß beschreibt. Besonders interessant waren von Keitz’ Ausführungen zu „Der letzte Akt“ (A 1955), der bereits in den 1950er Jahren versuchte, Hitler zu entdämonisieren und dessen seelisches Innenleben darzustellen. Dieser österreichische Film ist zudem der erste, der Hitler als Hauptperson auftreten lässt, und kann als Vorlage für Eichingers/Hirschbiegels „Der Untergang“ (BRD 2004) angesehen werden.

Ergänzt wurde der Blick auf die deutschsprachigen Produktionen durch den amerikanischen Spielfilm „Das Urteil von Nürnberg“ (USA 1961), der die Nürnberger Prozesse (unter Verwendung von dokumentarischem Material) verfilmte, also den Umgang mit der NS-Vergangenheit selbst zum Thema hat. Die Beschreibung und Interpretation der Filme durch eine Filmwissenschaftlerin war sehr aufschlussreich, insbesondere die Betonung der Wirkung von Bildern bzw. Bild und Sprache, die bei einem rein „historischen Blick“ auf Spielfilme häufig zu kurz kommt.