Aufarbeitung der Diktatur – „Diktat“ der Aufarbeitung? Normierungsprozesse
beim Umgang mit diktatorischer Vergangenheit


Tagung des Graduiertenkollegs zur Zeitgeschichte „Diktaturüberwindung und
Zivilgesellschaft in Europa“ in Verbindung mit der Stiftung zur Aufarbeitung
der SED-Diktatur
20.–23. September 2007, Internationales Wissenschaftsforum Heidelberg (IWH)

Der deutsche Umgang mit NS- und SED-Diktatur wird häufig als Vorbild für die
Aufarbeitung diktatorischer Vergangenheit angeführt. Er scheint als eine Art
Norm zu fungieren, an der andere europäische Staaten sich orientieren und
ihre jeweiligen Aufarbeitungsprozesse messen. Sowohl auf nationaler als
auch auf transnationaler und europäischer Ebene sind zunehmend Bemühungen
feststellbar, Standards und verbindliche Richtlinien für Vergangenheitsaufarbeitung zu etablieren. Im Rahmen der internationalen und interdisziplinären Tagung werden diese Entwicklungen sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken erstmals Gegenstand der wissenschaftlichen Analyse – unter der Leitfrage, inwiefern die zu beobachtenden Zentralisierungsbestrebungen und Normierungsprozesse zu einer Verordnung von bestimmten Standards der Diktaturüberwindung führen (könnten) – zugespitzt formuliert: Kann Aufarbeitung von Diktatur von einer Art „Diktat“ der
Aufarbeitung begleitet werden?

Die Tagung wird veranstaltet vom Graduiertenkolleg zur Zeitgeschichte
„Diktaturüberwindung und Zivilgesellschaft in Europa“ des Historischen
Seminars/ZEGK der Universität Heidelberg in Verbindung mit der Stiftung zur
Aufarbeitung der SED-Diktatur. Gefördert wird sie weiterhin durch die die
Stiftung Universität Heidelberg, die Heinrich-Böll-Stiftung und das
Internationale Wissenschaftsforum der Universität Heidelberg.